Havarie

... die 1.

Ein Sicherungsboot der Kompanie fuhr den Rhein hinauf Richtung Mainz.

Der Bootskommandant, mit dem Vornamen Franz, steuerte mit mulmigem Gefühl sein schnittiges Boot zaghaft zwischen den Felsen und Klippen hindurch in die enge Lücke des Bingerlochs.

Ehe er es recht begreifen konnte, kam er vom Kurs ab, hatte Grundberührung und setzte sein Boot auf einen Felsen.

Bei der späteren Vernehmung durch seinen Kompaniechef, wie denn das passieren konnte, erklärte Franz: „Das Boot ist ganz plötzlich geschleudert!“ Ab dieser Zeit erhielt er den internen Beinamen „Schleuder-Franz“.

Seine Feldwebel-Kameraden meinten zu diesem Vorfall, dass es ja so kommen musste: „Der Franz hat sich immer gegen eine Bingerlochtaufe heftig gewehrt, - und das rächt sich eben!“

... die 2.

Franz steuerte sein wiederhergestelltes Schiff in Begleitung weiterer Boote auf der Mosel Richtung Schleuse.

Vor der alten Moselbrücke rief er nach achtern der Besatzung des nachfolgenden Bootes zu:  „Wahrschau! Mast umlegen!“ 

Sicherheitshalber rief er nochmals: „Mast umlegen! Weiter sagen!“ Kurz darauf gab es ein knallendes Bersten und lautes Splittern.

Erschrocken blickte Franz nach oben und stellte fest, dass sein aufgerichteter Schiffsmast abgebrochen war.

... die 3.

S-Boot längsseits einer Bodanfähre

Während der Ostseefahrt, in einer Schleuse, wurde von der Besatzung versäumt, bei rasch fallendem Wasserspiegel, die am Schleusenpoller befestigte Vorderleine eines Sicherungsbootes rechtzeitig zu versetzen.

Plötzlich hing das Boot in der Luft und bekam Schräglage. Das starke Tauwerk hielt das Vorderschiff an der Schleusenwand fest und ließ sich auch von starken Pionierhänden nicht mehr lösen. Der Bootsführer hielt sich während dessen unter Deck auf. Durch den heftigen Tumult an Oberdeck aufgeschreckt erschien der Kommandant auf der Bildfläche und erkannte sofort die gefährliche Situation. 

Er handelte rasch und umsichtig. „Alle weg vom Tau“ rief er, während er eiligst die Bordaxt holte. Mit einem gezielten, kräftigen Hieb verhinderte er einen größeren Schaden. 

und dann

war da noch das Proviantboot (schwimmender Supermarkt, der die Berufsschiffahrt während der Fahrt mit Lebensmitteln versorgte), dem durch den Wellenschlag eines Sicherungsbootes angeblich über 1.000 Eier und ein Dutzend Flaschen sehr teure Spirituosen zu Bruch gingen. Der schiffsführende Händler forderte eine hohe Entschädigung die unmittelbar an ihn zu zahlen sei. Nach wochenlangen Querelen entschloss sich der verantwortliche Zugführer, nach Rücksprache mit seinem Chef, in die Offensive zu gehen.

Er beauftragte einen älteren Soldaten seines Zuges, der in der Nachbarschaft des Schiffers wohnte, mit einer Sondermission.

Der Kriegsgediente erklärte dem „Verkaufskapitän“, er komme als hilfsbereiter Anwohner und möchte ihm ganz diskret mitteilen, dass die Bundeswehr beabsichtige die Angelegenheit amtlich überprüfen zu lassen. Dabei soll bei ihm sicherlich die Lagerung von Eiern, Spirituosen und andere Waren in seinem doch recht kleinen Boot inspiziert werden. Ganz bestimmt wollen „die“ dabei auch die Lieferscheine für eine steuerliche Kontrolle einsehen.
Der Schiffsmann versicherte dem Altgedienten, das er auf keinen Fall etwas gegen die Bundeswehr habe; - und das man natürlich alles tun müsse um friedlich miteinander zu leben.

Der Soldat bot dem „Geschädigten“ an, das er sein Proviantboot beim nächsten Hochwasser in den sicheren Pionierhafen verlegen könne.

Nach einigen Schnäpsen waren sich die Beiden einig: „Der Fall ist erledigt!“