Prahm Willi

Mitte der sechziger Jahre war die Kompanie bei einer 14-tägigen „Werbefahrt“ auf der Mosel mit fast allen Booten und einem, vom nahen Pionierbataillon ausgeliehenen Prahm eingesetzt. Dieses Wasserfahrzeug wurde bei der Kompanie zeitweilig zum Wassertransport von Personal und Material eingesetzt und wurde intern „Willi“ genannt.

Für diese mehrtägige Übung erhielt der Soldat einen kleinen Geldbetrag als Aufwandsentschädigung, die in der Truppe als „Buschgeld“ bezeichnet wird.

Nach Ende der Übung gaben die Zugführer ihre Teilnehmerliste ab, auf der das Personal nach Besatzung geordnet, unter der jeweiligen Bootsbezeichnung aufgelistet war. Neben den vielen Bootsnummern, wie „ L-413“ oder „S-431“ usw., war also auch “Prahm Willi“ mit seiner Besatzung aufgeführt.

Alle Übungsteilnehmer hatten nach einiger Zeit ihr „Buschgeld“ erhalten, - bis auf einen Nachzügler.

Alle Bemühungen des Rechnungsführers diesen Nachzügler zum Geldempfang zu bewegen waren erfolglos. 

So sah sich der Kompaniefeldwebel genötigt, diesen Mann zweimal beim morgendlichen Kompanieappell namentlich aufzurufen. Doch auch dieser Versuch schlug fehl, der Bursche war nicht anwesend; offensichtlich war der Soldat selbst den unmittelbaren Vorgesetzten unbekannt.

Der Spieß war sauer und es gab einen „Anschiss“ an die Zugführer: „Kennt ihr denn Eure eignen Soldaten nicht! Bis heute Mittag will ich wissen, zu wem der Mann gehört“!

Diese aber waren nicht sonderlich beeindruckt, sie grinsten verstohlen. 

Beim Mittagsantreten platzte die Bombe. Der Spieß rief den Nachzügler auf: „Prahm“! „Prahm, Willi“!

Niemand meldete sich.

Der Spieß, inzwischen sehr verärgert, wiederholte mit drohendem Unterton: „Prahm, Willi“!

Der dienstälteste Feldwebel trat vor und sprach leise einige Worte zum Kompaniefeldwebel, der daraufhin den angetretenen „Verein“ stehen ließ und seine Dienstzimmertüre geräuschvoll zu machte. 

Nach dem Kameraden „Prahm, Willi“ wurde hinfort nicht mehr gesucht. ER lebt weiter, in den „Storys“, die von den ehemaligen  Flusspionieren beim Stammtisch regelmäßig (zum x-ten Male) erzählt werden.