Achim

Pionier-Fluß-Kompanie 731

            Aufgestellt:                                        1962

            Standort:                                            Achim /Weser  (bei Bremen)

                                                                       Neuwied  (ab 1980)

            Durch Umgliederung des Heeres wurde die Einheit umbenannt:

                                                                       1973    in Flußpionierkompanie  831

                                                                       1980    in Flußpionierkompanie  800

            Aufgelöst:                                          1989

 

Wappen

Auf hell- und dunkelblauem Feld steht in schwarz und weiß das Steuerrad (Ruder) als Symbol für die Flussfähre. Die doppelte Pionierbrücke, schiffsbugartig zusammengefügt, ist ein Zeichen der Zugehörigkeit zur Pioniertruppe, die symbolhaft das Gewässer überwindet.

Aufstellung

Der Aufstellungsbefehl 846 (H) vom Bundesminister der Verteidigung, -Fü H III 5 – ist der Ursprung der Flusspionier-kompanie 800. Sie wurde am 01.04.1962, als letzte der insgesamt sechs Flusspionierkompanien der Bundeswehr, unter der Bezeichnung Flusspionierkompanie 731  aufgestellt.

Die Aufstellungsstärke war auf 40 Soldaten, ab 01.11.1962 auf 165 Soldaten festgelegt.

Im Laufe des April 1962 trafen ehemalige Angehörige der bereits bestehenden Flusspionierkompanien 734 (Koblenz), 735 (Wiesbaden-Schierstein) und 732 (Krefeld) in Achim bei Bremen ein, um in der Steuben-Kaserne die Flusspionier-kompanie 731 aufzustellen.

Als Liegeplatz für ihre Wasserfahrzeuge erhielt die Kompanie den ehemals der Kriegsmarine dienenden und zum Öl-lager gehörenden Hafen Baden zugewiesen. Ehe dort die ersten Boote einziehen konnten, musste das Gelände mit beträchtlicher Energie erst einmal hergerichtet werden.

Als Endstandort war für die Kompanie ein neuer Flusspionier-Stützpunkt bei der Stadt Rees vorgesehen. 

Die Kompanie unterstand dem schweren Pionierregiment 705  in Wuppertal.

Als Erstausstattung mit Wasserfahrzeugen standen der Kompanie ab 01.11.1962

  • ·            3 Flusslandungsboote Typ „Oberwinter“
  • ·            1 Flusssicherungsboot (ex französisch „P9799“)

zur Verfügung.

Diese Ausstattung wurde ab 01.04.1965 durch die Zuweisung von

  • ·          4 Pionier-Landungsbooten Typ „Mannheim 59“

ergänzt. 

Um der personell inzwischen voll aufgestellten Einheit auch eine ausreichende Übergangskapazität zu geben, erhielt sie 1963, so wie auch ihre ältere Schwester in Koblenz, für eine Übergangszeit das Hohlplattenbrückengerät.

Im Jahre 1965 konnten die zur Aussonderung heran stehenden Flusslandungsboote Typ „Oberwinter“ abgegeben werden. Zu diesem Zeitpunkt lief die Ausstattung der Kompanie mit dem Pionier-Sicherungsboot Typ „Koblenz“ an.

Dieses Boot, in Spay (bei Koblenz) von der „Schottelwerft“ gebaut, war 1969 mit vier Exemplaren in der Kompanie vertreten. Da diese Neuentwicklung für die Flusspioniere  insgesamt nicht geeignet war, wurden diese Fahrzeuge von der Bundeswehr verkauft.

 

Im Rahmen einer Umstrukturierung der Flußpioniere mit einer gleichzeitigen Verminderung von sechs auf vier Kompanien kam es 1969/7 zu einer Neuverteilung des vorhandenen Gerätes. Alle vier Flußpionierkompanien erhielten nunmehr neun Flußfähren, drei Flußsicherungsboote ,,Class 21" und einen Flußschlepper (800er Jargon: ,,Stabs-Arche“).

Ausbildung und Einsätze

Die von der Flusspionierkompanie 800 durchgeführten Ausbildungsvorhaben befassten sich naturgemäß vorrangig mit dem Schwerpunkt „Übergang über Gewässer“. Diese Ausbildung wurde an der Weser und im Rahmen des übergeordneten Verbandes am Rhein durchgeführt.

Aus den Schiffstagebüchern kann man manchen seltsamen Einsatz entnehmen, der im Rahmen der Amtshilfe, bei ungewöhnlichen Einwirkungen von Naturkräften oder der Übernahme von Arbeiten auf wirtschaftlichem Gebiet erforderlich war. 

Neben etwas humorvoll anmutenden Einsätzen, wie dem Transport einer Rinderherde oder dem Abholen von Milch in Kannen, gab es selbstverständlich auch sehr ernsthafte und komplizierte Aufgaben. Ob es sich nun um die Versorgung von Mensch und Tier bei drohendem Hochwasser, das Sprengen eines Schornsteines, die Unterstützung beim Erproben eines Panzerfahrzeuges oder dem Transport der Kettenfahrzeuge einer Flugabwehr-Batterie über 648 Kilometer auf dem westdeutschen Kanalnetz handelte, stets hat sich die Kompanie von ihrer besten Seite gezeigt und diese Aufgaben ausgezeichnet gelöst.

Besonders nachhaltig im Gedächtnis prägten sich folgende Einsätze ein: 

  • ·         Aufrechterhalten des zivilen Fährbetriebes an der Fährstelle Dedesdorf/ Kleinsiel (Unterweser) über fast drei Monate hinweg.
  • ·            Transport von Deichbaumaschinen von Wremen (Unterweser) nach Hochdonn Nord-Ostsee-Kanal) unter schwierigen Bedingungen.
  • ·         Schleppen eines von der Bundesmarine außer Dienst gestellten Minensuchbootes von Elsfleht nach Datteln. Hierbei mussten Rumpf und Aufbauten des Minensuchers getrennt und in zwei Lasten geschleppt bzw. gefahren werden.

Die Kompanie beteiligte sich an allen Übungen des vorgesetzten Regimentes bzw. Pionierkommandos. Hervorzuheben ist das Mitwirken bei der Gefechtsübung „STARKE WEHR“ des I. Korps (1982) und die Gefechtsübung  „AQUAMARINE“  des I. niederländischen Korps (1983).

Das See- und Flugzielschießen der Flusspioniere auf der Ostsee richtete die Kompanie mehrfach aus und nahm daran regelmäßig teil.

Anlässlich des 10- und 20-jährigen Bestehens gestaltete die Einheit umfangreiche Feierlichkeiten unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

Einen besonderen Platz in der Geschichte der Flusspionierkompanie 800 nahm die Stadt Datteln ein. Seit 1969 bestanden enge Beziehungen zwischen der Stadt und den Flusspionieren. 1973 hatte Datteln, größter Knotenpunkt im westdeutschen Kanalnetz, eine offizielle Patenschaft für die Kompanie übernommen (siehe auch Reiter: "DER RESERVIST"). Auch nach der Verlegung von Achim nach Neuwied sind die guten und herzlichen Beziehungen weiter gepflegt worden. Besondere Breitenwirkung erzielte die Kompanie bei dem von 1969 bis 1986 alljährlich veranstalteten Kanalfestival mit ihrer Patengemeinde durch den Einsatz von Flussfähren. 

Ein weiterer Höhepunkt war der „Tag der offenen Tür“ am 11.08.1985 in der neuen Garnisonsstadt Neuwied.

Zusammen mit der Flusspionierkompanie 850 und dem Verkehrsverein der Stadt Neuwied konnten etwa 20.000 Besucher in der Kaserne begrüßt werden.

Im Rahmen...

... einer Umstrukturierung der Flusspioniere mit einer gleichzeitigen Verminderung von sechs auf vier Kompanien, kam es 1969/ 1970 zu einer Neuverteilung der vorhandenen Wasserfahrzeuge.

Alle vier Flusspionierkompanien erhielten nunmehr 

  •        ·     9 Pionier-Landungsboote Typ „Mannheim“ oder 
  •              _ Pionierfähren Typ „Bodan“
  •        ·     3 Pionier-Sicherungsboote Typ „Classe 21“ oder „Classe 33)
  •        ·     1 Pionier-Schlepper Typ „Mainz

Die Flusspionierkompanie 731 wurde mehrfach umgegliedert und umbenannt:

                        - 1973 in  Flusspionierkompanie 831

                        - 1980 in  Flusspionierkompanie 800 

Der Einsatzraum der Flusspionierkompanie 800 war die Rhein-Zone von Oberwinter bis Emmerich an der niederländischen Grenze. Diesen Bereich mit den angrenzenden Westdeutschen Kanälen, teilte sich die Einheit mit den Fluss-pionieren aus Krefeld.

Die Tatsache, dass die Kompanie ständig den „langen Marsch“ zwischen Weser und Rhein zurücklegen musste um ihren Einsatzraum zu erreichen, hat immer viel Mühe, Zeit und Geld gekostet.

Verlegung

Das Jahr 1980 stellte in der Geschichte der Flusspionierkompanie 800 einen wichtigen Meilenstein dar. 

Die Verlegung von Achim an der Weser nach Neuwied am Rhein war, - mit allen dienstlichen und privaten Problemen für die Angehörigen der Kompanie behaftet -, zu bewältigen. Vor allem galt es, die für die Kompanie äußerst tief greifenden personellen Veränderungen wahrzunehmen.

Hier ging es nicht ohne erhebliche Eingriffe in den persönlichen Bereich des einzelnen Kompanieangehörigen.

So konnte auch diese, bisher schwerste Aufgabe in der Geschichte der Einheit, - nicht selten unter Inkaufnahme persönlicher und familiärer Härten und Entbehrungen -, bewältigt werden. 

Die bisherigen „Allein-Benutzer“ des komfortablen Flusspionier-Stützpunktes, die Flusspionierkompanie 850, mussten nun zusammenrücken und die liebgewonnene Großräumigkeit in der Kaserne aufgeben. Doch durch gegenseitige Rücksichtnahme und kameradschaftliches Miteinander hatte man sich schnell aufeinander eingestellt und ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis gepflegt.

Mit dem Organisationsbefehl Nr. 438/88 (H) wurde die Auflösung der Flusspionierkompanie 800 zum 31.03.1989 befohlen.

Das Stammpersonal, - Berufs- und Zeitsoldaten -, wurde auf andere Dienstposten in verschiedene Standorte versetzt und wehrpflichtige Soldaten leisteten ihre Restdienstzeit in fremden Truppenteilen ab.

Kompanieführung

In ihrer 27-jährigen Geschichte waren neun Offiziere mit der Führung der Flusspionierkompanie 800 betraut: 

  • 1962 – 1965   Major Alfred EWERT
  • 1965 – 1969   Major Heinz OHM
  • 1969 – 1971   Major Hasso WESTHEIDE
  • 1971 – 1975   Major Paul HILLEBRAND
  • 1975 – 1976   Major Peter WIPPENBECK
  • 1976 – 1980   Major Eike JUNKER
  • 1980 – 1985   Major Detlef STRAUSS
  • 1985 – 1987  Major Jochen HAUPT
  • 1987 – 1989   Major Uwe GÖRKE

Nicht so häufig wie die Kompaniechefs wechselten die Kompaniefeldwebel:

  •     Hauptfeldwebel Helmut VOLKMAR
  •     Hauptfeldwebel Johann HOFMANN
  •     Hauptfeldwebel Dieter BRUNSEN

"Der Reservist"

Seit ca. 25 Jahren unterhält eine Reservistenkameradschaft in Datteln ein ausser Dienst gestellte L-Boot. Es wurde auf den Namen "Der Resevist" getauft und findet seinen Einsatz auf den Kanälen in und um Datteln. U.a. wird es auch zu vielen "Tagen der offenen Tür" der Stadt Datteln eingesetzt und findet bei der Bevölkerung großen Anklang.

Doch damit ist leider Schluss:

"Der Reservist" gibt auf:
aus Lokalzeit aus Dortmund vom 27.01.2015

Wer schon mal am Dattelner Meer war, also am Kanalhafen von Datteln - der kennt bestimmt die Flussfähre "Der Reservist", auch wenn dort alle möglichen Boote ankern. Aber "Der Reservist" fällt auf, denn er ist eine alte Bundeswehrfähre. Die liegt seit einem Vierteljahrhundert in Datteln und befördert Ausflügler übers Wasser. Damit aber ist es jetzt Schluss: Es fehlt an Geld für den alten Reservisten.

Hier der Link zur Mediathek des WDR mit dem Bericht --> • <--